Freie Software für die Wirtschaft
Für viele ist Freie Software
bereits ein Begriff, für manche aber immer noch ein Fremdwort. Dabei ist Freie
Software weltweit auf dem Vormarsch und immer mehr Unternehmen, Einrichtungen,
öffentliche Verwaltungen und Anwender setzen auf sie. Dass Freie Software auch
in Südtirol in aller Munde ist, dafür sorgt seit Sommer 2005 das Competence Center
Open Source South Tyrol, kurz CoCOS, am BIC in Bozen. Am Mittwoch (29.03.2006)
präsentierte CoCOS im Rahmen der Konferenz „Freie Software für die Südtiroler
Wirtschaft“ das neue Wissensportal www.CoCOS.bz.
Abteilungsdirektor für Innovation Maurizio Bergamini-Riccobon und BIC-Direktor
Hubert Hofer stellten vor rund 30 Vertretern der Wirtschaft und der
öffentlichen Verwaltung Fördermaßnahmen beim Umstieg auf Freie Software vor.
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v.l.n.r.: BIC-Direktor Dr. Hubert Hofer, CAN-Koordinator Dr. Christoph Koch,
Prof. Giancarlo Succi von der Freien Universität Bozen, Dr. Maurizio
Bergamini-Riccobon, Abteilungsdirektor für Innovation, und CoCOS-Koordinator
Patrick Ohnewein
Etliche Südtiroler Betriebe und Unternehmen wie SAD, Loacker oder Pantaservice/Autocity AG), aber auch die öffentliche Verwaltung, allen voran der Südtiroler Gemeindenverband, und Bildungseinrichtungen wie die italienischen Schulen bewegen sich seit einigen Jahren mit Meilenschritten auf Freie Software zu. Obwohl Freie Software in Südtirol längst kein Fremdwort mehr ist, heißt trotzdem Aufklärung und Information das Gebot der Stunde, ist sich CoCOS-Koordinator Patrick Ohnewein sicher. Mit dem im Rahmen der Konferenz neu eröffneten Wissensportal www.CoCOS.bz will das Kompetenzzentrum Südtirolerinnen und Südtiroler über Freie Software und ihre Chancen, Angebote und Möglichkeiten informieren. Darüber hinaus stellt das neue CoCOS-Portal Monat für Monat das Beste in Sachen Freie Software in und aus Südtirol vor.
„Software
gilt dann als Freie Software, wenn ihr Quellcode offen und frei verfügbar ist
und wenn diese Software beliebig benutzt, kopiert, studiert, verändert,
weiterentwickelt, verschenkt oder verkauft werden darf“, erklärt
CoCOS-Koordinator Patrick Ohnewein. Dadurch unterscheidet sich diese Software
von der so genannten proprietären oder herstellereigenen Software. Neben dem
Kostenvorteil bei der Anschaffung durch den Wegfall von Lizenzgebühren bietet
Freie Software aber noch viele andere Vorteile. Vor allem die hohe Sicherheit
und Stabilität, die Nachhaltigkeit und Herstellerunabhängigkeit, aber auch die
steigende Benutzerfreundlichkeit und hervorragende Kompatibilität überzeugen
immer mehr Betriebe und Unternehmen, öffentliche Verwaltungen und private User zu
einem Wechsel auf Freie Software.
Dass ein solcher Wechsel durchaus mit einem gewissen Aufwand verbunden ist, bestätigt auch Prof. Giancarlo Succi von der Freien Universität Bozen, der sich wissenschaftlich mit den Chancen und Strategien im Rahmen einer Migration auf Freie Software auseinandersetzt. Nach ihm geht es bei einer so genannten Migration nicht nur um technische Details oder die Höhe von Wechselkosten, immer wichtiger wird, dass auch das Personal und vielfach auch die Klienten in einen solchen Wechsel eingebunden werden. Prof. Succi unterstreicht in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit von Aufklärung und Information auch und gerade durch Kompetenzzentren wie CoCOS.
Gleichzeitig
bedarf es einer kritischen Betrachtung der von vielen so gefürchteten hohen
Wechselkosten (switching costs). Dabei wird nach Prof. Succi häufig übersehen,
dass mögliche Migrationsprobleme und Wechselkosten weniger auf die Einführung
Freier Software zurückzuführen, sondern meist Resultat eines hausgemachten Lock-in-Effektes
sind. Wer immer auf proprietäre Software setzt, begibt sich nämlich in eine Abhängigkeit
im wahrsten Sinne des Wortes, nicht nur von einem Hersteller, auch von
Produkten und Standards. Monopolisierung und hohe Wechselkosten sind die Folgen.
„Gleichzeitig tritt auf dem IT-Markt die paradoxe Situation ein, dass sich
nicht unbedingt das beste Produkt durchsetzt, sondern jene Software und damit
jene Formate, die von den meisten genutzt werden und von den meisten anderen
damit auch mitbenutzt werden müssen“, so Prof. Giancarlo Succi.
Freie Software wie GNU/Linux, OpenOffice.org, Gimp, Firefox, Gnome, um nur einige zu nennen, kann da Abhilfe schaffen. Eine Migration zahlt sich rein deshalb aus, weil sie die Entstehung von Abhängigkeiten von Herstellern oder Standards ausschließt und damit Lock-in-Effekte vorbeugt. Somit wird Freie Software für Südtiroler Firmen eine wirtschaftlich interessante Alternative und für einheimische IT-Unternehmen eine noch zu entdeckende Marktlücke. Weil ein Umstieg auf Freie Software ein Mehr an Innovation und vor allem eine nachhaltige Investition bedeutet, sieht auch das Land Südtirol gezielte Fördermaßnahmen für migrationswillige Wirtschaftsbetriebe vor. Neben Beiträgen bei der Anstellung von spezialisiertem Fachpersonal für Migration stellt Dr. Maurizio Bergamini-Riccobon, Abteilungsdirektor für Innovation, auch die Abdeckung der Hälfte der Beratungskosten im Falle eines Umstiegs auf Freie Software in Aussicht. Auch das Business Innovation Center von Bozen bietet bereits jetzt interessierten Südtiroler Betrieben spezielle Migrationsberatungen an. Dabei übernimmt das BIC Bozen laut Direktor Dr. Hubert Hofer für die ersten 4 Beratungstagen 80% der Kosten und ab dem 5. Tag 50%. Zudem geht das BIC Bozen auch auf einheimische IT-Dienstleister zu und bietet bei der Antragserstellung für Technologieberatung konkrete Unterstützung an.