Öffentliche Verwaltungen für Freie Software
Der Einsatz von
Freier Software führt zu teilweise erheblichen Einsparungen in den öffentlichen
Verwaltungen. Zudem profitieren IT-Unternehmen von ihren Freien Software
Aktivitäten. Das ist das Ergebnis der von IBM, Novell und der Wirtschaftsförderung
Region Stuttgart GmbH (WRS) beim Fraunhofer-Institut
für Arbeitswirtschaft und Organisation in Auftrag gegebenen und Mitte November
vorgestellten Studie „Open Source –
Strukturwandel oder Strohfeuer?“ Für diese Studie hat das Institut
209 öffentliche Verwaltungen und IT-Unternehmen nach ihren Einschätzungen zu
quelloffener Software befragt. „Es ist beeindruckend, welche enormen Vorteile
Unternehmen und öffentliche Einrichtungen durch den Einsatz freier Software bereits
erzielen und in welcher Weise OSS Innovationen beschleunigt“, kommentiert Prof.
Dr.-Ing. Dieter Spath, Leiter des Fraunhofer IAO, die
Ergebnisse der Studie. Um die Verbreitung von Freier Software weiter zu fördern
und damit Kosten im Bereich der öffentlichen Verwaltung zu senken und
Beschäftigung und Innovation weiter voranzutreiben, empfiehlt die Studie in
erster Linie die Einführung offener Datenformate.
Die Strategie offener Austauschformate
Wie bereits andere Studien stellt auch die Fraunhofer Untersuchung fest, dass eines der größten Hemmnisse für den Einsatz von Freier Software in den öffentlichen Verwaltungen in einer nicht ausreichenden Unterstützung von Datenformaten und einer mangelnden Interoperabilität mit der bestehenden IT-Infrastruktur liegt. Im weiteren Sinne umfasst dies auch nicht standardisierte Schnittstellen der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation. „Damit das Zusammenspiel kommerzieller Anwendungen und Open Source-Anwendungen reibungslos funktioniert, müssen die öffentlichen Einrichtungen zukünftig dazu übergehen, eine Migration hin zu offenen Datenformaten und -standards vorzunehmen und den Ablauf der Migration gezielt planen“, ist das erstgenannte Fazit der Studie. Nötig ist also eine „Strategie offener Austauschformate“, die Freier Software zu mehr Chancengleichheit verhilft. Im Bereich von Anwendungsdateien kann beispielsweise die nicht ausreichende Unterstützung von Datenformaten durch eine stärkere Förderung des Einsatzes offener Datenformate wie OpenDocument-Format oder Office Open XML gelöst werden.
Von Massachusetts bis "eSüdtirol 2004-2008"
Weltweit gibt
es bereits einige öffentliche Verwaltungen, die derzeit konkrete Schritte in
Richtung Einführung offener Standards setzen. Zu den Best Practices Beispielen
zählt auch das Vorhaben der Südtiroler Landesregierung, festgelegt im Aktionsplan
für die Entwicklung der lokalen Informationsgesellschaft „eSüdtirol
2004-08“. Darin verpflichtet sich die Landesregierung die Verwendung
von offenen Datenformaten in der öffentlichen Verwaltung in den nächsten drei
Jahren auszubauen und die Umsetzung dieses Vorhabens durch jährliche Berichte
zu dokumentieren. In dieselbe Richtung geht die belgische Regierung. Sie will
sämtliche behördliche Korrespondenzen auf einen offenen Standard umstellen und
das OpenDocument Format nach einer Erprobungsphase ab September 2008 als
Standardformat einführen. Auch die französische Regierung spricht sich für den
verpflichtenden Einsatz von freien Datenformaten aus und schlägt in einem im
Oktober veröffentlichten Bericht vor, ODF als Dokumentaustauschformat auf
europäischer Ebene zu verwenden. Eine dänischen Studie vom
August 2006 kommt zum Schluss, dass der Einsatz von ODF in Verbindung mit
OpenOffice.org in der dänischen Verwaltung nicht nur eine bessere
Austauschbarkeit von Dateien, sondern auch Kosteneinsparungen in Höhe von ca.
74 Mio. EUR ermöglicht. Ein weiteres Best Practice Beispiel ist Massachusetts.
Trotz zahlreicher Widerstände politischer Gruppen und der Einflussnahme großer
Softwarekonzerne will man in der dortigen öffentlichen Verwaltung ab 2007 verpflichtend
freie Datenformate als Standard einführen. Gemäß des Enterprise
Technical Reference Model (ETRM) müssen demnach zukünftig alle
offiziellen Akten der Bundesverwaltung in einem offenen Dateiformat verfasst
und gespeichert werden.
CoCOS-TIPP:
Aktionsplan eSüdtirol 2004-08
Fraunhofer Studie: Open Source – Strukturwandel oder Strohfeuer?